Befreiung

Hallo meine Lieben!

Frei sein ist ein tolles Gefühl, welches leider nicht jeder von uns kosten kann. Selbst wenn man eigentlich frei ist, so ist es eine Leichtigkeit sich selber gefangen zu nehmen. Beispielsweise in dem wir unsere Prioritäten anders setzen, unsere Arbeit kritisiert wird, oder wir uns das negative einreden, bis wir uns selbst gefangen nehmen.

Ich habe lange Zeit, mehrere Jahre hinweg die Kunstwerke anderer betrachtet und in Erinnerungen geschwelgt. Ein gutes Beispiel ist das Spiel ‘Howrse’. Hier werden regelmäßig neue Kreationen von Spielern hochgeladen, welche mit etwas Glück oder Talent freigeschaltet werden und schließlich von allen Spielern weltweit benutzt werden können. Ich schaue mir gerne die Kunstwerke der anderen Spieler an. Dabei habe ich mir so oft gewünscht, die Zeit, oder besser die Motivation zu haben, um selber mal ein “Spieler” zu sein und meine Fantasie mit anderen zu teilen.

Vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt, der mich sehr inspiriert hat. Wohl möglich deshalb, weil mich ihr Zeichenstil sehr an eine gute Bekannte (oder Freundin ?) erinnert, mit der ich vor 5 Jahren gemeinsam gemalt habe. 5 Jahre – echt erschreckend wie schnell die Zeit vergeht. Sven hatte sich heute ein Video angesehen, welches mich sehr stark an meine damalige Situation erinnert hat. Das Video handelt unter anderem davon, wie die Neugierde des lernenden (Kindes) durch Kritik erstickt wird. Ich finde Vera F. Birkenbihl bringt es haargenau auf den Punkt, mit solch treffenden Beispielen und Erklärungen, besser hätte ich es nicht beschreiben können (Eher gar nicht *lach*). Wer sich für das Video interessiert, findet es weiter unten.

Nämlich hatte ich vor gut 5 Jahren die Situation erlebt, Kritik zu bekommen ohne danach zu verlangen. Ihr müsst euch vorstellen, ich habe gerne und oft gemalt und meine Bilder mit anderen jungen Künstlern geteilt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle selber ‘Kinder’, da kam es uns ja noch gar nicht in dem Sinn überhaupt zu kritisieren. Und wenn jemand mal nach Hilfe gefragt hat, so haben wir genau hingesehen und versucht Tipps zu geben. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem man es schon für selbstverständlich sah Kritik zu geben ohne überhaupt gefragt zu werden. Das war der Zeitpunkt an dem die ersten arbeiten gingen und ihren Mediengestalter machten oder einfach neue Freunde kennen gelernt haben. Ganz unterbewusst hieß es dann “Der Sattel sitzt falsch”, “Das Bein ist zu kurz”, “Der Kopf ist zu groß”, etc.

Ich weiß, es ist nur gut gemeint (Hoffe ich doch) – aber irgendwann wurde der Spaß am malen weniger. Genau wie Vera F. es erklärte, so hatte es mir mehr Spaß gemacht zu malen und selber meine Fehler herauszufinden und zu korrigieren, anstelle mit jedem Bild – sei es in Entwicklung oder nicht, auf meine Fehler hingewiesen zu werden. Irgendwann habe ich mich schließlich zu Wort gemeldet und gefragt, warum man einfach jedes Kunstwerk kritisieren müsste?

Ganz einfach, weil du es ins Internet stellst und damit rechnen musst, dass nicht jeder gleicher Meinung ist.

Das ist doch völlig klar, aber müssen wir deshalb jemanden unsere Meinung aufzwingen? Müssen wir jemanden kritisieren, nur weil wir uns wichtig machen wollen? (In Vera F.’s Video war es der Tor-Kommentator). Ich dachte mir, wenn ich nächstes Mal ausdrücklich dazu schreibe, dass ich KEINE Kritik hören möchte, so würden es die Leute verstehen. Aber nein, es half alles nichts. Selbst wenn man seine Mitmenschen dazu anfleht “Ich will keine Kritik, ich würde einfach nur gerne meine neuste Arbeit mit euch teilen… ohne wieder auf meine Fehler hingewiesen zu werden”, warum kann man dieser Bitte nicht entgegen kommen? In dem Sinne könne man ja keine Kritik auffassen. Das wird es wohl sein (Nicht).

Wenn mir jemand meinen Fehler in Fachwörtern und anatomischen Begrifflichkeiten erklärt, mag es im ersten Hinblick konstruktiv klingen, wenn ich es jedoch nicht verstehe, hilft mir das auch nicht weiter. Folge für das oben genannte Beispiel aus meiner Zeit war schließlich, dass ich das Malen in diesem “Portal” dran gegeben habe und mir eine neue Beschäftigung suchen musste. Welch Ironie, dass meine neue Beschäftigung zu 99% aus Kritik aufnehmen und umsetzen besteht. Auch wenn mir die Arbeit weiterhin großen Spaß macht, gibt es immer wieder solche Momente, an denen ich mich gefangen fühle und mich an die damalige Zeit zurück erinnere.

Darum habe ich mich für dieses Motiv / diese Szene entschieden, anstelle eines grazilen Arabers, welcher durch die endlose Wüste prescht.

Als Künstler, egal wie professionell, möchte ich auch Zeiten erleben in denen ich selber lerne. Beispielsweise in dem ich mir mein Werk früher oder später erneut ansehe und es einfach besser mache. In dem ich meine eigenen Fehler studiere und daraus lerne.

Dieses Bild entstand 2012. Ich habe es gestern wiedergefunden und konnte mich nach wie vor mit diesem Bild identifizieren. Also habe ich mich dazu entschlossen dem Bild eine Art Remake zu verpassen. Das Bild soll eine gewisse Qual ausdrücken. Eine Qual vom gefangen sein und versinken im Moor. Aber dennoch ein gewisses Gefühl von Befreiung. Das Pferd ist nicht vollständig im Moor versunken, trotzdem es von Stacheldraht oder Algen umschlungen ist. Mühevoll erkämpft es sich seine Freiheit (Im oberen Bild)

Ich wüsste einige Dinge die ich hätte besser machen können, angefangen von der Auflösung, bis hin zum schwammigen Hintergrund. Fakt ist allerdings, das ich mit diesem Kunstwerk erstmal abgeschlossen habe und mich nun anderen Aufgaben stellen werde. Zwischendurch braucht man sowas einfach – eine Aufgabe nur für sich selber, ohne die Absicht es perfekt zu machen. Auch wenn das für mein Perfektionisten-Herz schwer ist, es gibt nichts schöneres als mit etwas abschließen zu können, wenn man nicht mehr möchte. In meinem Fall würde ich gerne lernen schneller auf Zeit zu malen. Eine Übung der ich mich schon vor Jahren stellen wollte, aber niemals dazu die Gelegenheit, bzw. Zeit hatte ihr nachzugehen.

Ich wäre neugierig ob ihr auch dieses Gefühl vom gefangen sein kennt und ob meine Grafik dieses ein wenig wiederspiegelt?

Schreibt es mir! Bis dahin, wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende 🙂
Eure Jackie ♥


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